
REZENSIONEN
Eine ungewöhnliche, aber einleuchtende Auswahl von Kammermusikwerken ...
... Das vierte Stück schließlich wartet mit einer überraschenden Erweiterung des Instrumentariums auf. In seiner Fantasia für Theremin, Oboe, Streichquartett und Klavier von 1945 gelingt es Bohuslav Martinu, das Theremin als vollwertiges Konzertinstrument in das Kammermusikensemble zu integrieren. Sein Klang ist weit entfernt vom pauschalen Glissandogeheul, das es in den meisten heutigen Kompositionen zu produzieren hat. Martinu setzt es vielmehr als genuines Melodieinstrument ein, das sich in die Satzstruktur und die Harmonik des Werks perfekt einpasst und sich mit Oboe und Geige gleichwertig in die Führung teilt. Die für die bruchlose Integration nötige klangliche Zurückhaltung und Intonationsreinheit gewährleistet in der vorliegenden Aufnahme die souveräne Solistin Carolina Eyck.
Dass es sich hier um ein Musikvideo und nicht um eine reine Tonaufnahme handelt, ist unbedingt von Vorteil. So kann man aus nächster Nähe beobachten, welch subtile Handbewegungen es braucht, um die richtigen Tonhöhen zu treffen und eine deutliche Phrasierung und Artikulation zu erzielen.
Max Nyffeler 9/2008 www.beckmesser.de
...Den jedoch wahren Coup haben sich die Musiker für den Schluss aufgehoben. Es ist die 1945 komponierte Fantasia des Tschechen Bohuslav Martinu, die neben der Oboe, dem Streichquartett und einem Klavier gleich noch das elektrische Theremin verlangt. Dieses surrealste aller merkwürdigen Instrumente, bei denen Hände und Finger durch einen scheinbar luftleeren Raum rudern und dabei schauerlich-schöne Tonschleifen entstehen lassen. In Martinus Fantasy, diesem verlockend traumversunkenen Tonpoem, meint man daher auch, nicht nur den Atem Tristans, sondern gleich den von Dracula zu spüren.
Guido Fischer 13.06.2008 www.RONDOmagazin.de